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Überdimensionierung als Preisfalle. Warum viele Fernwärmekunden ein Drittel zu viel zahlen.
Um rund 27 Prozent haben sich die Preise für Fernwärme für Kunden zuletzt erhöht. Die Gründe dafür sind vielfältig. Es laufen Klagen und Verfahren.
Unsere Forderung: Die Versorger müssten gesetzlich verpflichtet werden, die Anschlussleistungen regelmäßig zu prüfen. Nur so lässt sich verhindern, dass Fernwärme unnötig teuer ist.
Als unser Energieberater Peter Hennig ein Leipziger Wohnensemble in Grünau prüft, stößt er auf ein bekanntes Muster: zu hohe Anschlussleistungen, zu viel gelieferte Wärme, zu hohe Rechnungen. Für ihn ist klar, dass dieses Problem kein Einzelfall ist. „Das haben wir bei jedem Versorger in Deutschland. In der Regel wird ein Drittel zu viel Fernwärme eingespeist, mit entsprechenden Mehrkosten.“ Hennig warnt: Ohne verpflichtende, regelmäßige Prüfungen würden Fernwärmekunden dauerhaft unnötig zahlen.
Sein Befund fällt in eine Zeit, in der vielerorts die Preise für Fernwärme spürbar steigen. Im Durchschnitt legten sie zuletzt um rund 27 Prozent zu. In Extremfällen wie Großkrotzenburg im hessischen Main-Kinzig-Kreis sind die Kosten sogar mehr als doppelt so hoch wie zuvor. Dort fiel die günstige Abwärme des Kraftwerks Staudinger weg, nachdem die Anlage in die Netzreserve überging. „Die Ersatzversorgung ist erheblich teurer“, sagt Martin Müller von den Gemeindewerken Großkrotzenburg. Das landet direkt auf den Endabrechnungen.
Auch strukturelle Preisfaktoren spielen hinein. Laut einer Erhebung des Energiedienstleisters ista wirken sich das Auslaufen der Energiepreisbremse und die Rückkehr zur regulären Mehrwertsteuer auf Strom und Gas deutlich aus. Zudem basiert Fernwärme häufig auf mehreren Energiequellen, deren Kosten zeitverzögert weitergegeben werden.
In Leipzig zeigt sich ein weiteres Problemfeld: überdimensionierte Anlagen. Hennigs Berechnung ergab, dass die Anschlussleistung des Gebäudekomplexes reduziert werden kann. Die Hausverwaltung fordert daher eine Prüfung durch die Stadtwerke Leipzig. Doch bevor diese aktiv werden, verlangen sie Gebühren von 400 Euro pro Übergabestation. Für die Hausverwaltung unnötige Zusatzkosten.
Die Stadtwerke weisen die Vorwürfe zurück. Kunden ermittelten ihren Wärmebedarf selbst, darauf basiere der Vertrag. Eine Leistungsanpassung sei ein Eingriff in ein laufendes Vertragsverhältnis. Für Hennig aber geht es um etwas Grundsätzlicheres: Versorger müssten verpflichtet werden, regelmäßig zu prüfen, ob die vereinbarte Leistung noch zum tatsächlichen Bedarf passt. Nur so ließen sich Fehlbemessungen und überhöhte Kosten verhindern.
Parallel beschäftigen die steigenden Preise inzwischen auch Verbraucherschützer und Behörden. Da Fernwärmekunden meist nicht den Anbieter wechseln können, ziehen Verbraucherschutzorganisationen wegen mutmaßlich ungerechtfertigter Preiserhöhungen gegen mehrere Versorger vor Gericht. Das Bundeskartellamt untersucht zudem Preisanpassungsklauseln verschiedener Anbieter und führt seit Ende 2023 Verfahren gegen sieben Stadtwerke und Fernwärmeversorger wegen des Verdachts auf missbräuchliche Preissteigerungen in den Jahren 2021 bis 2023.
Das ZDF-Magazin Frontal berichtete am 11.12.2025:
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